Die Bismarcksäule Dresden-Räcknitz
Warum Bismarckturm Dresden e.V. ?.

Die Bismarcksäule ist für mich ein wichtiger Bestandteil meines Stadtteiles und Träger vieler schöner Erinnerungen. Sieben Jahre lang führte der Schulweg meines besten Freundes und mir jeden Tag bei Wind und Wetter am Fuße des Bismarckturmes vorbei. Ich erinnere mich an abendliche Heimwege von Weihnachtsfeiern, an neblige Herbstmorgen oder an die Bilder der jahreszeitlichen Natur – immer stand sie da „die Bismarcksäule“ und veränderte sich nur durch keimende Birken und wechselnde Graffitis.

Erst während des Architekturstudiums an der TU Dresden und der speziellen Befassung mit der Thematik Denkmalpflege von Gebäuden wurde für mich aus der jahrelang erlebten romantischen Kulisse ein vernachlässigtes Bauwerk. Mir wurde deutlich, dass unsere Bismarcksäule Ergebnis und Bestandteil eines nun fast 100jährigen deutschen Phänomens ist und noch durch zahlreiche fast identische Bauwerke dokumentiert wird, nämlich des Bismarckkultes und dessen architektonischen Ergebnissen.

Heute zeigt sich, dass das Bauwerk so vielen Glücks- und Unglückssituationen ausgesetzt war, das es an Geschichte und Alter einem bewegenden Menschenleben ähnelt, welches den unmittelbaren Folgen und Ergebnissen der jeweiligen politischen Systeme hilflos ausgeliefert war und trotzdem oder gerade deswegen aus dem Blickfeld der Gesellschaft gerückt wurde.

Vor allem die Schicksalhaftigkeit des Dritten Reiches, der Missbrauch als Kulisse für die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 durch Dresdner Studenten, stellt einen dieser Tiefpunkte dar. Außerdem wurden, trotz der sonst vorbildhaften Denkmalpflegeanschauung der DDR, Bauten der Jahrhundertwende um 1900 eher stiefmütterlich behandelt. Vermutlich war es nur den zu erwartenden hohen Abrisskosten zu verdanken, das der Turm erhalten blieb. Doch all dies kann durch die Chancen der Gegenwart wieder wettgemacht werden. Und wenn nicht in Dresden, wo dann? Viele Beispiele sind Beweise dafür. Der Wiederaufbau der Frauenkirche als eine Jahrhundertleistung zeigt die Leistungsfähigkeit der Denkmalpfleger, Handwerker, Sponsoren und Architekten. Auch Fichteturm und „Hoher Stein“ sind namhafte Dresdner Projekterfolge, die anfangs eher belächelt und später so erfolgreich beendet wurden.

Beim Fachsimpeln mit meinem Studienkollegen Frederic H. Krämer kam dann die Initialzündung. Sein Interesse hob die Träumereien, wie ich meine Gedanken bis dahin abtat, in die Realität. Während in den älteren Bundesländern ein Engagement der Bürger in Vereinen flächendeckend gegeben ist, fehlt dieser Bereich als Folge der anders gearteten DDR-Organisationen zur Zeit noch in den neuen Bundesländern. Bestehende Vereine zeigen aber in beeindruckender Weise, wie durch sozialorientierte Arbeit die leeren staatlichen Kassen ausgeglichen werden können und unser tägliches Umfeld bereichert wird. Seien es Spielplatzinitiativen, Brunnenbauer oder Anwohner rund um den Fichteturm, sie alle scheinen aus dem Nichts etwas hervorzubringen.

Dankbarkeit verbindet mich mit meinen Kommilitonen Katrin Garke, Heike Adam, David Haupt, Peter Johannes Lang, Marco Böber und Günter Schröder, deren Mitarbeit unser Projekt wahr machte. Wir gründeten im Frühjahr 2004 den Bismarckturm Dresden e.V..

Imponiert hat mir das Zitat von Herrn Willy Timm aus Una, 1975:

„Die Zeit sollte eigentlich gekommen sein, solche Bauten weniger in ihrer ursprünglichen Sinngebung, vielmehr als künstlerischen und kulturgeschichtlichen Ausdruck einer vergangenen Epoche zu verstehen und zu erhalten.“

Darin besteht ein Motiv unserer Arbeit.

Peter Froebel